750c8aab136fce02c84c95e6f4daa9e1„Es waren zwei Festtage des Amateurfußballs!“ Das sagt Jürgen Grondziewski im Rückblick auf die Endrunde der 36. Dortmunder Hallenfußball-Stadtmeisterschaft am Freitag und Samstag vergangener Woche in der zweimal ausverkauften Helmut-Körnig-Halle.

Wenige Tage nach dem erstmaligen Triumph des BSV Schüren zieht der Kreisvorsitzende und Organisationschef im Interview für unsere Homepage ein in ganz weiten Teilen überaus positives Fazit der Titelkämpfe. Er stimmt allerdings auch kritische Töne an und richtet den Blick zudem schon einmal in die Zukunft, in denen es neue Herausforderungen zu bewältigen gilt.

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Jürgen GrondziewskiJürgen Grondziewski, die 36. Auflage der Dortmunder Hallenfußball-Stadtmeisterschaft endet mit dem Abend der Sieger am Freitag im Lensing Carree der Ruhr Nachrichten. Welche Bilanz lässt sich aus Ihrer Sicht bereits vor diesem abschließenden gesellschaftlichen Höhepunkt dieses Events ziehen, sowohl was die Endrunde, als auch das gesamte Turnier betrifft?

Ich möchte zunächst speziell auf die Endrunde eingehen. Für mich und sicherlich auch für viele andere waren es zwei phantastische Tage, zwei echte Festtage des Amateurfußballs. Wir haben viele enge und faire Spiele gesehen. Die Halle war zweimal ausverkauft und es herrschte auf den Rängen an beiden Tagen eine großartige Atmosphäre. Dazu, und das ist für den Verlauf eines solchen Turniers natürlich ebenfalls sehr wichtig, hat im organisatorischen Bereich alles prima funktioniert. Wir haben von allen Seiten sehr viel Lob erhalten. Das macht uns stolz und zufrieden.

Was hat Ihnen in der Endrunde besonders gut gefallen?

Ich denke, es war diese ungemein positive und geradezu freundschaftliche Stimmung, die von den Fangruppen verbreitet wurde. Da gab es auch vereinsübergreifend keinerlei Misstöne oder Anfeindungen. Wenn man sieht, mit welcher Fairness sich auch die Fans begegnet sind, erfüllt einen das als Organisator mit großer Freude. Das ist heutzutage leider keine Selbstverständlichkeit.

Wie schätzen Sie das sportliche Niveau beim diesjährigen Top 12-Turnier ein?

Es war ein gutklassiges Turnier auf ansprechendem Niveau, das in besonderem Maße von der Spannung lebte, die in nahezu jedem Spiel spürbar war. Das Achtmeterschießen im Halbfinale zwischen Schüren und Bövinghausen war diesbezüglich natürlich ein Highlight, aber auch viele andere Partien standen bis zuletzt auf Messers Schneide und sind oft erst in den Schlusssekunden entschieden worden.

Viele Experten hatten Titelverteidiger TuS Bövinghausen als großen Turnierfavoriten auserkoren. Ist der BSV Schüren ein würdiger Meister?

Natürlich hätte ich jeder teilnehmenden Mannschaft den Sieg gegönnt. Aber wenn jemand zum dritten Mal innerhalb von vier Jahren im Finale steht und dort zuvor zweimal knapp verloren hat, dann ist er jetzt einfach auch mal dran. In Schüren wird mit sehr viel Leidenschaft gearbeitet und auch das Verhalten in der Halle war in jeder Hinsicht vorbildlich. Wenn man all dies betrachtet und zudem noch bedenkt, dass er auf dem Weg zum Titel auch noch den großen Favoriten ausgeschaltet hat, dann ist der BSV Schüren ein absolut würdiger Meister.

Mit dem SV Westrich hat es ein B-Kreisligist erstmals seit vielen Jahren bis ins Viertelfinale geschafft. Wie gut tut es dem Turnier, wenn die so genannten „Kleinen“ zeigen, dass auch sie konkurrenzfähig sind?

Erfolge von Außenseitern beleben jedes Turnier. Der SV Westrich hat sich ganz klar als eine Bereicherung der Endrunde erwiesen – mit seinen überraschenden Erfolgen auf dem Spielfeld, aber auch dank seiner riesigen Fangruppe. Es war schön zu sehen, wie emotional es da zugegangen ist und wie phantastisch sie ihre Jungs auf dem Kunstrasen unterstützt haben. Bei all dieser Begeisterung sind sie immer auch gegenüber den Gegnern fair geblieben.

Die Westricher wurden schon in der Halle als ein heißer Kandidat für den Titel als beste Fangruppe der Endrunde gehandelt. Ist diesbezüglich schon eine Entscheidung gefallen?

Die offizielle Ehrung wird erst am Abend der Sieger vorgenommen. Aber ich darf jetzt schon verraten, dass wir uns im Kreis für den SV Westrich entschieden haben. Es ist ja ein zweigeteilter Preis. Der andere geht an Türkspor Dortmund für einen ebenso tollen und fairen Auftritt seiner großen Anhängerschar.

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Kurz noch einmal ein Blick zurück in die Vorrunde, die ja in diesem Winter zum dritten Mal in Folge mit 72 Mannschaften in sechs Hallen über die Bühne gegangen war. Die Leistungsunterschiede waren zum Teil doch recht krass, es gab etliche Kantersiege. Sind vielleicht doch zu viele Teams am Start?

Man muss sich in der Tat Gedanken darüber machen, wem dieses große Teilnehmerfeld etwas bringt. Zum Einspielen ist das sicherlich für alle okay. Aber zweistellige Siege gegen überforderte Gegner haben für die höher gehandelten Mannschaften kaum sportlichen Wert. Genauso muss man das auch umgekehrt sehen: Was haben die so genannten Kleinen davon, wenn sie mit zweistelligen Niederlagen nach Hause fahren müssen? Da kann schon mal der Spaß auf der Strecke bleiben. Wir werden das Turnier im internen Kreise analysieren und schauen, wie wir uns zukünftig auch bezüglich der Teilnehmerzahl aufstellen wollen.

Andererseits war immer wieder zu hören, dass die neu gestaltete Zwischenrunde mit jeweils neun Mannschaften am ersten und sechs am zweiten Tag bei Teilnehmern und Zuschauern nach wie vor prima ankommt. Bleibt dies auch das Modell für die Zukunft?

Da kann ich allen nur beipflichten. Weil es für die verbliebenen Mannschaften am zweiten Tag wieder von vorne losgeht, bleibt die Spannung komplett erhalten – und das bis zum letzten Spiel eines jeden Turniers. Für uns ist klar: an diesem neuen, bewährten, Modus der Zwischenrunde mit zunächst 36 Teams in vier Hallen wollen wir auf jeden Fall festhalten.

In einigen Hallen gab es in der Vor- und Zwischenrunde leider auch unrühmliche Begleiterscheinungen. Sind die Dinge mittlerweile aufgearbeitet worden, haben sich auch die betreffenden Vereine, wie es der Kreisvorstand gefordert hatte, zu den Geschehnissen geäußert?

Die Stellungnahmen der angeschriebenen Vereine liegen uns inzwischen vor. Aber ich bin schon sehr enttäuscht darüber, dass keiner zu dem steht, was passiert ist. Grundsätzlich will niemand etwas getan haben. Alles zu verharmlosen oder gar abzustreiten, geht so nicht. Da hätte ich deutlich mehr Einsicht erwartet.

Müssen die betreffenden Klubs mit Konsequenzen rechnen – und falls ja, wie sehen die aus?

Aus meiner Sicht muss es unbedingt Konsequenzen geben. Was gesehen ist, werden wir nicht einfach so hinnehmen. Wie diese aussehen werden, lässt sich im Augenblick noch nicht sagen. Die Bandbreite des Strafmaßes ist sehr groß, weil die einzelnen Fälle ja auch nicht unbedingt direkt miteinander vergleichbar sind.

Wie geht es weiter, wann in etwa wird mit Entscheidungen zu rechnen sein?

Wir werden nichts übers Knie brechen. Das sind Dinge, die in aller Ruhe besprochen werden müssen, um dann zu einem jeweils angemessenen Urteil zu kommen. Ich gehe aber davon aus, dass dies noch im Laufe dieses Monats passieren wird.

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Im kommenden Winter bahnt sich aufgrund der Feiertage ein terminliches Problem an. Vor-, Zwischen- und Endrunde werden dann nicht jeweils freitags und samstags durchgeführt werden können. Wie sieht Ihr Plan dazu aktuell aus?

Tatsächlich gestaltet sich die Terminierung nicht ganz einfach. Man kann über die Weihnachtsfeiertage ebenso wenig spielen wie an Silvester oder Neujahr. Denkbar wäre, die Vorrunde am 28. und 29. Dezember durchzuführen, einem Montag und Dienstag. Dann müssten wir sehen, wie wir mit Zwischen- und Endrunde verfahren.

Konkrete Termine gibt es also noch nicht. Werden auch die potenziellen Ausrichtervereine in die Entscheidungsfindung mit eingebunden?

Natürlich, und das diesmal sogar in einem ganz hohen Maße. Wir werden sehr viel Rücksicht auf die Belange der infrage kommenden Vereine nehmen, speziell darauf, wie sich für sie die Durchführung der einzelnen Turnierabschnitte organisatorisch und logistisch am besten bewerkstelligen lässt. Das wird auch schon ein Diskussionspunkt bei der Nachbesprechung mit den diesjährigen Ausrichtern sein. Ich denke, wir werden uns im März zusammensetzen.

Was vor allem wünschen Sie sich für die Zukunft dieses in Deutschland in dieser Form nach wie vor einmaligen Turniers?

Ich wünsche mir einen ebenso gelungenen Ablauf wie an den beiden Endrundentagen in diesem Jahr, und das für alle Turnierabschnitte. Dass es genauso spannend, emotional und fair zugeht und dass in allen Bereichen ein tolles Miteinander herrscht. Natürlich auch, dass dazu auch im organisatorischen Bereich alles funktioniert. Trifft all das zu, werden wir auch nach zukünftigen Turnieren sagen: Wir sind vollauf zufrieden.

Zu unseren Fotos: Impressionen von der Endrunde in der Helmut-Körnig-Halle, zusammengetragen vom Fotografen Nils Foltynowicz. Kreisvorsitzender Jürgen Grondziewski (kleines Bild) zog eine überaus positive Bilanz des Turniers.